: Sabine S. Hammer
: Stimmtherapie mit Erwachsenen Was Stimmtherapeuten wissen sollten
: Springer-Verlag
: 9783540268734
: 2
: CHF 20.40
:
: Medizinische Fachberufe
: German
: 290
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Mit dem vorliegenden Lehrbuch in der Reihe »Praxiswissen Logopädie« hat die Autorin eine von vielen Seiten lange bedauerte Lücke in der Fachliteratur zum Thema Stimme geschlossen. Ihr ist es vor allem gelungen, gerade für den Berufsanfänger Informationen aus den verschiedenen Disziplinen, die sich mit dem Phänomen Stimme beschäftigen, zu verbinden, also verstä- lich und für die Praxis verwertbar zu machen. Die Autorin erfüllt damit nicht nur den Wunsch nach einem Lehrbuch für den Fachbereich Stimme, wie es in den immer zahlreicher werdenden Logopädie-Lehranstalten im deutschsprachigen Raum schon lange erwartet wurde. Sie bietet auch den Logopädinnen und allen anderen Stimmtherap- tinnen eine Übersicht über die Methodenvielfalt und ein Nachschlagewerk in Form eines an der Praxis orientierten Handbuches. Die Stimme ist seit grauer Vorzeit ein Thema, um das sich die abent- erlichsten Geschichten, Mythen des Altertums und neuere Erzählungen aus allen Kulturen der Welt ranken. Dieses Phänomen setzt sich nicht zuletzt bis heute in Form von inter- und intradisziplinären Meinungsverschiedenheiten und in einem fruchtbaren Methodenstreit fort. Die sich daraus ergebende Facettenvielfalt im Umgang mit unserem Stimmorgan beschreibt die Autorin vom Standpunkt fachlicher Neutralität. Die wachsende Gruppe der an der Stimme Interessierten wird der Autorin dafür und für ihre Klarheit, Struktur und Transparenz dankbar sein, mit der sie dem geneigten Leser und Nutzer dieses wertvollen Buches die Stimme mit ihren Funktionen, Störungen und Therapiemethoden näher bringt.

2 Stimme und Einflussfaktoren (S. 39)

2.1Überblick
Die Voraussetzungen für eine gesunde Stimme sind die einwandfrei funktionsfähigen Strukturen von Kehlkopf, Atemapparat und Ansatzrohr. Die Stimme unterliegt jedoch einer Vielzahl weiterer Einflüsse, die sich direkt oder indirekt auf das Phonationssystem auswirken. Für den Klang einer Stimme spielt die Funktion des gesamten Organismus eine wichtige Rolle, besonders der Zustand des Bewegungs- und Halteapparates. Darüber hinaus kommen Aspekte der Persönlichkeit, z. B. charakterliche Eigenschaften, oder soziokulturelle Ein.üsse zum Tragen. Auch situative Zusammenhänge sind bedeutsam wie Gesprächssituation und Gesprächspartner, verbunden mit Sprechabsichten und Emotionen. Diese Einzelaspekte unterliegen wechselseitigen Ein.üssen, sodass der individuelle Stimmklang durch ein komplexes System von Einzelfaktoren entsteht, die eng miteinander verbunden sind.

2.2 Stimme und Körper
Die Leistungsfähigkeit und die individuellen Merkmale einer Stimme sind durch die anatomischen Strukturen weitestgehend vorgegeben. Indifferenzlage und Stimmgattung ergeben sich aus der Länge der Stimmlippen, der individuelle Klangcharakter hängt von der Form des Ansatzrohres ab. Im Zusammenhang mit der Größe des Stimmapparates steht das mögliche Klangvolumen einer Stimme, für die Leistungsfähigkeit spielt auch die Kapazität der Lungen eine Rolle. Im Rahmen der anlagebedingten Möglichkeiten ist für das Stimmresultat der Gebrauch des Stimmapparates entscheidend.

Die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Stimme hängt also davon ab, wie die Stimmorgane eingesetzt werden. Sie unterliegen dabei dem Ein. uss gesamtkörperlicher Funktionen, was anhand der folgenden Aspekte deutlich wird: , Die Phonationstätigkeit des Stimmapparates ist den Primärfunktionen untergeordnet. Dies spielt besonders bei der Atmung eine bedeutende Rolle. Die Atemaktivität verändert sich in Abhängigkeit vom Sauerstoffbedarf des Körpers, sodass sich je nach körperlichem Aktivitätszustand zwangsläufig.

Veränderungen des Phonationsablaufes ergeben. , Die an der Atemtätigkeit als Atemhilfsmuskulatur beteiligten Muskeln dienen gleichzeitig der Körperhaltung und sind an fast allen Bewegungen des Körpers beteiligt. Die Bedingungen für die Atemtätigkeit verändern sich demnach in Abhängigkeit von Körperbewegung und -haltung. Durch die Doppelventilfunktion des Kehlkopfes, die der Stabilisierung des Brustkorbes bei Bewegungsabläufen dient, ergeben sich direkte Zusammenhänge von Körperbewegungen und Aktivitätszustand der Kehlkopfmuskulatur ( Kapitel 1.2.»Physiologie der Primärfunktionen«). ,

Die Form des Vokaltraktes, besonders des unteren Rachenbereiches, verändert sich im Zusammenhang mit der Kopfhaltung. Beispielsweise kommt es durch die Vorneigung des Kopfes zu einer Verkleinerung des Winkels zwischen Kiefer und Hals. Folge ist eine Verengung des Rachenraumes, die zur Verringerung der Resonanzentwicklung führt. Da sich die Haltung des Kopfes im Wesentlichen aus der Haltung des Rumpfes ergibt, besteht auch darüber ein direkter Zusammenhang zwischen Körperhaltung und Stimmfunktion.

 ,Die Stimmfunktion ist eine Muskelfunktion. Muskeln arbeiten in sog. Funktionseinheiten, d. h., dass Muskelgruppen eines Systems gleichzeitig zur Durchführung einer Bewegung aktiv sind. Muskuläre Funktionseinheiten, die nahe beieinander liegen, beein. ussen sich gegenseitig. Die Spannungszunahme eines Funktionsbereiches führt zur Veränderung der Spannung in benachbarten Regionen, ebenso verhält es sich bei Spannungsabnahme. So führt beispielsweise eine Anspannung des Schulter-Nacken-Bereiches zur Zunahme einzelner Muskelkontraktionen im Kehlkopf.

2.2.1 Haltung und Stimme
Der Bewegungsapparat des Menschen setzt sich aus einem aktiven und einem passiven Teil zusammen. Das Skelett mit seinen Verbindungselementen, den Gelenken, ist der passive Bestandteil des Bewegungsapparates, die Skelettmuskulatur der aktive. Die Tätigkeit der Skelettmuskulatur dient der Bewegung und aufrechten Haltung des Körpers und hängt von der Beweglichkeit der Gelenke ab.

Geleitwort6
Vorwort zur 2. Auflage8
Vorwort und Danksagungen10
Inhalt12
Einleitung und Überblick20
1 Grundlagen der Stimmfunktion23
1.1 Anatomische Grundlagen25
1.1.1 Anatomie des Kehlkopfes25
1.1.2 Funktion der Kehlkopfmuskeln27
1.1.3 Innervation des Kehlkopfes28
1.1.4 Anatomie des Atemapparates30
1.1.5 Funktion der Atemmuskulatur31
1.1.6 Anatomie des Vokaltraktes (Ansatzrohres)32
1.2 Physiologie der Primärfunktionen33
1.2.1 Die Primärfunktion des Kehlkopfes33
1.2.2 Physiologie der Atmung34
1.2.3 Die Primärfunktion des Vokaltraktes (Ansatzrohres)38
1.3 Akustische Grundlagen38
1.4 Physiologie der Stimmgebung41
1.4.1 Stimmlippenschwingung41
1.4.2 Stimmatmung43
1.4.3 Resonanzbildung44
1.4.4 Stimmleistungen45
1.4.5 Die Sprechstimme49
1.4.6 Die gesunde Stimme50
1.4.7 Die Singstimme50
1.5 Zentrale Kontrolle der Stimmfunktion52
1.5.1 Neuromuskuläre Kontrolle52
1.5.2 Audiophonatorische Kontrolle53
1.5.3 Musikalität53
1.6 Artikulation54
1.6.1 Vokalbildung54
1.6.2 Konsonantbildung55
1.6.3 Einfl uss der Artikulation auf die Glottisfunktion56
1.7 Stimmentwicklung56
1.7.1 Die Säuglingsstimme57
1.7.2 Die Stimme im Kindesalter58
1.7.3 Stimmwechsel (Mutation)58
1.7.4 Die Stimme des Erwachsenen59
1.7.5 Altersstimme59
2 Stimme und Einflussfaktoren61
2.1 Überblick62
2.2 Stimme und Körper62
2.2.1 Haltung und Stimme63
2.2.2 Bewegung und Stimme66
2.2.3 Tonus und Stimme67
2.3 Stimme und Persönlichkeit69
2.3.1 Charakterliche Einflüsse69
2.3.2 Soziokulturelle Einflüsse69
2.4 Stimme und Situation70
2.4.1 Lebenssituation70
2.4.2 Sprechsituation71
2.5 Der Reaktionskreis72
3 Stimmerkrankungen75
3.1 Überblick77
3.1.1 Defi nition77
3.2 Funktionelle Stimmstörungen77
3.2.1 Zur Entstehung funktioneller Stimmstörungen77
3.2.2 Ursachen78
3.2.3 Symptomatik79
3.2.4 Einteilung von funktionellen Stimmstörungen81
3.3 Psychogene Stimmstörungen85
3.3.1 Ursachen, Symptomatik, Formen86
3.4 Spastische Dysphonie87
3.4.1 Ursachen, Entstehung, Symptomatik87
3.5 Funktionell bedingte Mutationsstörungen88
3.5.1 Formen88
3.6 Hormonelle Stimmstörungen91
3.6.1