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Barbara Müller
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Wissen managen in formal organisierten Sozialsystemen Der Einfluss von Erwartungsstrukturen auf die Wissensretention aus systemtheoretischer Perspektive
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Gabler Verlag
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9783834983626
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1
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CHF 43.90
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In der praktischen Umsetzung wird die Speicherung von Wissen meist unter dem Aspekt des technisch Möglichen und nicht unter jenem des funktional Sinnvollen gesehen. Barbara Müller zeigt, dass die 'Theorie sozialer Systeme' neue Perspektiven in die Wissensmanagement-Diskussion einbringen kann, indem sie den Einfluss von Erwartungsstrukturen auf den Prozess der Wissensretention in High Tech und Beratungsunternehmen analysiert. Barbara Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der WU Wien. Sie lehrt und forscht am Institut für Change Management und Management Development unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Helmut Kasper.
1 Einleitung (S. 1) Wissen ist eine zentrale Ressource für Unternehmen. Dementsprechend wichtig ist deren effiziente Handhabung. Dabei geht es nicht nur darum, wie mit bereits bestehendem Wissen umgegangen und wie es gespeichert wird, sondern auch um die Frage, wie neues Wissen entsteht. Die betriebswirtschaftliche Literatur bietet zahlreiche theoretische Ansätze zum Management von Wissen. Die Umsetzung dieser Ansätze in der Praxis bereitet aber oft Schwierigkeiten. In dieser Arbeit wird, vor systemtheoretischem Hintergrund, der Umgang mit Wissen abgebildet und empirisch anhand von zwei Fallstudien analysiert. Die dahinterliegende Annahme ist, dass Organisationen als komplexe, soziale Gebilde nach bestimmten systemimmanenten Strukturen funktionieren und diese Strukturen bestimmen, wie Wissen gehandhabt und gespeichert wird. Dieses einleitende Kapitel zeigt die Relevanz der Problemstellung auf und dient der wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzung vor dem Hintergrund des Forschungsinteresses. Ziel ist es, eine wissenschaftstheoretische Positionierung vorzunehmen, um daraus den theoretischen Bezugsrahmen abzuleiten.1.1 Problemstellung und Aufbau der Arbeit Wissensmanagement ist ein aktueller Trend sowohl in der Managementforschung als auch im praktischen Umfeld. Die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Themenbereich ist groß (vgl. dazu auch Roehl, 2002), die Umsetzungsversuche in den Unternehmen sind umfassend. Sie reichen von Tools, die eingesetzt werden (sollen), um den internen und externen Wissenstransfer zu erhöhen bis hin zu Funktionen oder ganzen Unternehmensbereichen (“Knowledge- bzw. Wissensmanager/in”, vgl. dazu auch Spender, 2006), die geschaffen werden, um sich dem Thema anzunehmen. Meist gilt dabei die Maximierung expliziten Wissens mittels Dokumentation und dem Einsatz von IT-Lösungen als das vorrangige Ziel. Dadurch kann es zu einer Überflutung an Informationen kommen, die einem gezielten Wissensmanagement mehr schadet als nützt und die Nutzer/ innen resignieren lässt. Wissensspeicherung wird oft lediglich unter dem Aspekt des technisch Möglichen gesehen und nicht unter jenem des funktional Sinnvollen. Dahinter steht nicht zuletzt die Annahme, dass “mehr desselben” generell von Vorteil ist (vgl. dazu auch Güldenberg& Helting, 2004, Schneider, 2001).So werden Werte wie Kooperation, Vertrauen und Wissensteilung instrumentalisiert, indem sie als positiv bewertet werden (vgl. dazu Alavi et al., 2006), auch wenn sie den jeweiligen Unternehmenslogiken widersprechen. Demgegenüber werden Wettbewerb, Misstrauen (insbesondere in das eigene Wissen) oder das Horten von Wissen als Übel angesehen, obwohl es sich hierbei möglicherweise um wesentliche Triebfedern sozialer und technologischer Entwicklungen handelt. Fehlen diese, entstehen Imitationen an Stelle von Innovationen und führen die rein positiv intendierten Aspekte des Wissensmanagements ad absurdum. Unbestritten ist Wissen eine der wichtigsten strategischen Ressourcen von Unternehmen (vgl. dazu auch Davenport& Prusak, 2000, Grant, 2002, Haas& Hansen, 2007, Nonaka& Takeuchi, 1995) unabhängig davon, in welcher Branche diese tätig sind. Die Frage, die sich aber immer noch stellt, ist die nach der Funktionalität von Wissensmanagement für das jeweilige Unternehmen. Wissensmanagement hat für die Organisation funktional zu sein. Ziel der Forschungsarbeit ist es, diese Funktionsweise im organisationalen Umgang mit Wissen genauer zu beleuchten und – sich von der positiven Wertgeladenheit bestimmter Begriffe weg bewegend – nach dem Nutzen von Wissensmanagement für unterschiedliche Unternehmen zu fragen. Es rücken Prozesse, wie neues Wissen entsteht und gespeichert wird, in den Mittelpunkt der Analyse. Ausgehend von der Annahme, dass Strukturen im systemtheoretischen Sinne diese Prozesse beeinflussen, wird der Forschungsfrage nachgegangen: Welchen Einfluss haben Erwartungsstrukturen auf die Wissensretention in formal organisierten Sozialsystemen? Das Erkenntnisinteresse schlägt in dreierlei Hinsicht neue Wege ein: Erstens wird die aktuelle Wissensmanagementdiskussion aus dem Blickwinkel der “Theorie sozialer Systeme” betrachtet (vgl. Luhmann, 1984). Zweitens wird die vorrangig positive Wertgeladenheit bestimmter Begriffe in diesem Zusammenhang hinterfragt. Und drittens lassen sich daraus neue Ansätze für das Management der Ressource Wissen ableiten. Damit können systemspezifische Funktionen erkannt, beschrieben und bewertet werden, um Ansätze für das Management von Wissen anbieten zu können.
Geleitwort 6 Vorwort 8 Inhaltsverzeichnis 9 Abbildungsverzeichnis 12 Tabellenverzeichnis 13 1 Einleitung 14 1.1 Problemstellung und Aufbau der Arbeit 14 1.2 Wissenschaftstheoretische Positionierung 16 1.2.1 Das funktionalistische Paradigma und der Kritische Rationalismus 16 1.2.2 Kritik am Kritischen Rationalismus 17 1.2.3 Das interpretative Paradigma und der Konstruktivismus 19 1.3 Der theoretische Bezugsrahmen 25 1.3.1 Luhmann und der Konstruktivismus 26 1.3.2 Zentrale Begriffe und Grundideen der neueren Systemtheorie 27 1.3.3 Erwartungsstrukturen in formal organisierten Sozialsystemen 33 1.3.4 Änderungen in und von Organisationen 35 1.3.5 Zusammenfassung 36 2 Der Wissensbegriff und seine Grenzen 38 2.1 Warum Wissen nicht definiert werden kann 38 2.1.1 Daten – Information – Wissen aus “klassischer” Perspektive 39 2.1.2 Unterschiedliche Wissensarten 41 2.1.3 Kombinationen unterschiedlicher Wissensarten 45 2.1.4 Zwischenschau und Diskussion 53 2.2 Warum Wissen doch (nicht) definiert werden kann 54 2.2.1 Differenzen und was sie leitet 54 2.2.2 Zwischenschau und Diskussion 58 2.3 Zusammenfassung 60 3 “State of the Field” von Wissensmanagement 62 3.1 Knowledge Management Context 63 3.1.1 “The Properties of Units” – die relevanten Einheiten 65 3.1.2 “The Properties of the Relationships between Units” – der Zusammenhang zwischen den Einheiten 69 3.1.3 “The Properties of Knowledge” – das relevante Wissen 73 3.2 Knowledge Management Outcomes 75 3.2.1 “Knowledge Creation” – die Wissensgenerierung 76 3.2.2 “Knowledge Transfer” – der Wissenstransfer 84 3.2.3 “Knowle