: Peter Hürter, Olga Kordonouri, Karin Lange, Thomas Danne
: Kompendium pädiatrische Diabetologie
: Springer-Verlag
: 9783540400608
: 1
: CHF 24.00
:
: Klinische Fächer
: German
: 492
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Pädiatrische Diabetologie für die Praxis. Die Arbeitszeit wird immer knapper - die Anforderungen im Medizinbetrieb steigen zunehmend. Medizinische und nicht-medizinische Diabetes-Profis erhalten hier einen optimalen Leitfaden für moderne Therapiestrategien. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zur Beratung, Behandlung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes und ihrer Familien. Dabei wurde ganz bewusst auf grundlagenwissenschaftliche Details verzichtet - der Schwerpunkt liegt auf der praxisorientierten Darstellung.

Der neueste Stand der pädiatrischen Diabetologie in einem übersichtlichen Kliniktaschenbuch!

12 Diabetische Ketoazidose (S. 323-324)

12.1 Pathophysiologische Konsequenzen des Insulinmangels
>,>, Unmittelbar nach Manifestation eines Typ-1-Diabetes werden niedrig-normale oder eindeutig verminderte Insulinspiegel im Plasma nachgewiesen. Die Stimulation der Insulinsekretion durch Nahrungszufuhr oder orale bzw. i.v.-Gaben von Glukose, Aminosäuren, Ketonkörpern, 323gastrointestinalen Hormonen oder Sulfonylharnstoff ist vermindert oder bleibt ganz aus. Der Typ-1-Diabetes ist daher durch einen zunächst partiellen, später absoluten Insulinmangel gekennzeichnet. Die wichtigsten Konsequenzen des Insulinmangels sind Hyperglykämie und Hyperketonämie, die erhebliche Störungen des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts zur Folge haben.

12.1.1 Hyperglykämie und Hyperketonämie

! Bei Insulinmangel sind die vielfältigen anabolen Wirkungen des Hormons auf molekularer Ebene gestört. Der für das Stoff wechselgleichgewicht wichtige Insulin-Glukagon-Antagonismus ist zu Gunsten des katabol wirkenden Glukagons verschoben. Am Ende einer langen Kette von pathophysiologischen Konsequenzen des Insulinmangels stehen die beiden Leitsymptome des Typ-1- Diabetes: Hyperglykämie und Hyperketonämie.

Insulinmangel und Muskelgewebe
Bei Insulinmangel ist in der Muskulatur der Membrantransport von Glukose in die Zelle vermindert. Dadurch ist die intrazelluläre Glukose-Utilisation reduziert. Sowohl der anaerobe (Glykolyse) wie der aerobe Abbau von Glukose (Krebs-Zyklus) ist gestört und die Energiebereitstellung dadurch herabgesetzt. Glukagon aktiviert die Phosphorylase, Insulin hemmt sie. Durch die Dominanz der Glukagonwirkung bei Insulinmangel ist die Glykogenolyse mit Bildung von Glukose-1-Phosphat gesteigert.

Durch Stimulation der Lipolyse ist die Konzentration von freien Fettsäuren im Blut erhöht. Deren Einstrom in die Mitochondrien der Muskelzellen ist durch die vermehrte Bildung von Acylcarnitin gesteigert. Fettsäuren stehen daher der Muskulatur bei Insulinmangel für die Energiegewinnung vermehrt zur Verfügung. Die Proteinsynthese ist bei Insulinmangel gehemmt, die Proteolyse im Muskelgewebe dagegen erhöht. Der Ausstrom von Aminosäuren aus den Muskelzellen ist vervielfacht. Aminosäuren stehen für die Glukoneogenese in der Leber vermehrt zur Verfügung.

Insulinmangel und Fettgewebe

Der Membrantransport von Glukose in die Adipozyten ist ebenfalls gehemmt. Durch Verminderung der Glykolyserate ist der Abbau von Glukose mit Karboxylierung von Acetyl-CoA zu Malonyl-CoA gehemmt. Malonyl-CoA steht als Ausgangssubstrat der Fettsäuresynthese vermindert zur Verfügung. Die Lipogenese ist dadurch deutlich reduziert. Glukagon stimuliertüber die cAMP-abhängige Proteinkinase die Lipaseaktivität und steigert damit die Lipolyse. Glycerin und Fettsäuren werden vermehrt an den Kreislauf abgegeben. Glycerin wird als Substrat für die Glukoneogenese in der Leber bereitgestellt. Die Fettsäuren werden zu Fettsäure-Acyl-CoA abgebaut und mit Hilfe von Acylcarnitin in die Mitochondrien transportiert, um dort oxydiert zu werden.

Insulinmangel und Leber
Die Glykogensynthese wird in der Leber wie in der Muskulatur durch den Insulinmangel gehemmt, während die Glykogenolyse durch die vermehrte Glukagonwirkung gesteigert abläuft . Daneben wird Glukose in der Leber durch die bei Insulinmangel deutlich gesteigerte Glukoneogenese vermehrt bereitgestellt. Substrate stehen für die Glukoseneubildung reichlich zur Verfügung:

- Laktat durch die verminderte Glukoseoxidation,
- Aminosäuren durch die gesteigerte Proteolyse und
- Glycerin durch die stimulierte Lipolyse.

Das erhöhte Angebot von freien Fettsäuren führt in der Leber ebenfalls zu gesteigerter Fettsäure-Acyl-CoA-Bildung. Die aktivierten Fettsäuren werden in die Mitochondrien der Hepatozyten aufgenommen und können dort für die Energiegewinnung oxidiert oder im Hydroxymethylglutaryl-Zyklus zu -Hydoxybuttersäure bzw. Acetessigsäure umgewandelt werden. Die Ketogenese ist bei Insulinmangel deutlich

Vorwort6
Inhaltsverzeichnis8
1 Definition und Klassifikation des Diabetes bei Kindern und Jugendlichen17
1.1 Definition17
1.2 Klassifikation17
1.2.1 Terminologie18
1.2.2 Stadieneinteilung18
1.2.3 Ätiologische Typen des Diabetes mellitus20
2 Epidemiologie des Diabetes beiKindern und Jugendlichen29
2.1 Häufigkeit des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen29
2.1.1 Prävalenz und Inzidenz weltweit29
2.1.2 Prävalenz und Inzidenz in Deutschland30
2.1.3 Prognose32
2.2 Häufigkeit des Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen34
2.2.1 Prävalenz weltweit34
2.2.2 Prävalenz in Deutschland35
2.3 Häufigkeit des Diabetes bei Erwachsenen36
3 Ätiopathogenese desTyp-1-Diabetes39
3.1 Genetik39
3.1.1 Erbmodus40
3.1.2 Erbrisiko40
3.1.3 HLA-System43
3.2 Umweltfaktoren47
3.2.1 Virusinfektionen48
3.2.2 Stilldauer und Ernährungsfaktoren50
3.2.3 Perinatale Faktoren, Alter und Sozialstatus der Eltern52
3.2.4 Manifestationsfördernde Faktoren53
3.3 Hypothesen zur Entstehung des Typ-1-Diabetes54
4 Prädiktion und Prävention desTyp-1-Diabetes59
4.1 Prädiktion des Typ-1-Diabetes59
4.1.1 Humorale Autoimmunität60
4.1.2 Zelluläre Autoimmunität62
4.1.3 Kombination der Früherkennungsuntersuchungen63
4.1.4 Zeitlicher Ablauf der Autoimmunität64
4.1.5 Prädiktion eines Typ-1-Diabetes in der Gesamtbevölkerung66
4.2 Prävention des Typ-1-Diabetes66
4.2.2 Tertiäre Präventionsstudien67
4.2.2 Sekundäre Präventionsstudien68
4.2.3 Primäre Präventionsstudien68
4.2.4 Zukünftige Präventionsstudien69
5 Normale und pathologische Physiologie des Inselzellsystems73
5.1 Morphologie der Inselzellen73
5.2 Insulin74
5.2.1 Molekulare Struktur des Insulins76
5.2.2 Biosynthese und Sekretion des Insulins76
5.2.3 Clearance und Degradation des Insulins80
5.2.4 Wirkung des Insulins82
5.2.5 Insulinrezeptor91
5.2.6 Messung der Insulinkonzentration, Sekretion und Sensitivität94
5.3 Glukagon96
5.4 Hormonelle Steuerung der Glukosehomöostase98
5.4.1 Glukosehomöostase unter Ruhebedingungen99
5.4.2 Glukosehomöostase bei körperlicher Tätigkeit100
5.4.3 Glukosehomöostase nach Nahrungsaufnahme101
5.4.4 Glukosehomöostase bei fehlender Nahrungsaufnahme102
5.4.5 Glukosehomöostase bei Stress103
5.4.6 Glukosehomöostase bei Hypoglykämie104
6 Folgeerkrankungen und Prognose des Typ-1-Diabetes107
6.1 Grundsätzliches zur Prognose des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen107
6.2 Vorstellungen zur Ätiopathogenese der diabetischen Folgeerkrankungen108
6.3 Diabetische Retinopathie110
6.3.1 Pathologische Anatomie und Physiologie111
6.3.2 Stadieneinteilung112
6.3.3 Diagnostik und Therapie113
6.4 Diabetische Nephropathie115
6.4.1 Pathologische Anatomie und Physiologie116
6.4.2 Stadieneinteilung116
6.4.3 Diagnostik der Nephropathie118
6.4.4 Diagnostik der arteriellen Hypertonie120
6.4.5 Therapie der Nephropathie und der arteriellen Hypertonie124
6.5 Diabetische Neuropathie125
6.5.1 Pathologische Anatomie und Physiologie125
6.5.2 Klassifi kation126
6.5.3 Sensomotorische diabetische Neuropathie126
6.5.4 Autonome diabetische Neuropathie131
6.6 Möglichkeiten der Prävention von Folgeerkrankungen und der Verbesserung der Prognose des Typ-1-Diabetes136