Kommunales Führungspersonal im Umbruch Austausch, Rekrutierung und Orientierungen in Thüringen
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Jürgen Maier, Karl Schmitt
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Kommunales Führungspersonal im Umbruch Austausch, Rekrutierung und Orientierungen in Thüringen
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VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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9783531910673
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1
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CHF 53.20
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Politikwissenschaft
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German
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279
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Dr. Jürgen Maier ist Juniorprofessor für Methoden der empirischen Sozialforschung am Fachbereich Sozialwissenschaften an der TU Kaiserslautern.
Professor Dr. Karl Schmitt ist am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universitä Jena tätig.
3 Datenbasis
(S. 49-50)
Die empirischen Analysen dieser Studie beruhen im Kern auf zwei Datenquellen: erstens auf einer repräsentativen schriftlichen Befragung von kommunalen Mandatsträgern in ausgewählten Städten und Gemeinden Thüringens und zweitens auf einer Bevölkerungsumfrage in einem Teil derjenigen Kommunen, in denen auch das kommunale Führungspersonal befragt wurde.
3.1 Befragung kommunaler Mandatsträger
Das politische Führungspersonal zeichnet sich dadurch aus, dass es maßgeblich und regelmäßig an zentralen Entscheidungen mitwirkt, die die Gesellschaft als Ganze betreffen (Higley/Field/Grohölt 1976: 16, Higley/Deacon/Smart 1979: 3, Bürklin 1997: 16). Kommunales Führungspersonal ist demnach an bedeutenden, ihre Stadt oder Gemeinde betreffenden Entscheidungen beteiligt. In einer ersten Annäherung können zum kommunalen Führungspersonal Personen gerechnet werden, die über ein kommunales Amt oder Mandat verfügen. Damit wird dem Positionsansatz der Vorzug gegeben, demzufolge einer Person Macht und Einfluss aufgrund der von ihr bekleideten Position zuteil wird (Hoffmann-Lange 1992: 86-90, Felber 1986: 159-198, zu den verschiedenen Elitebegriffen in den Sozialwissenschaften vgl. Endruweit 1979).
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Delegationseliten", also auf Personen, die aufgrund von Wahlen in ihre Positionen gelangt sind. Die in zahlreichen anderen kommunalwissenschaftlichen Studien untersuchten Ernennungseliten", also Inhaber von Leitungspositionen in der Verwaltung, bleiben hier ausgeblendet (zur Unterscheidung von Führungspersonen in Delegations- und Ernennungseliten vgl. Zapf 1965: 66-67).
Auf der Basis dieser Kriterien lassen sich für die lokale Ebene in Thüringen vier Gruppen von politischem Führungspersonal unterscheiden: (1) die Mitglieder der Stadt- bzw. Gemeinderäte, (2) die (Ober-)Bürgermeister, (3) die hauptamtlichen Beigeordneten und schließlich (4) die Vorsitzenden von Verwaltungsgemeinschaften. Um Aussagen über die Entwicklung der Kommunalpolitik in Thüringen treffen zu können, wurden nicht nur Personen befragt, die zum Zeitpunkt der Befragung (Anfang 2000, in Einzelfällen auch bis Ende 2000) ein kommunales Amt oder Mandat inne hatten, sondern darüber hinaus auch alle diejenigen, die seit dem 6. Mai 1990, also seit der ersten freien Kommunalwahl in der ehemaligen DDR, einmal eine solche Position bekleidet haben, und dies auch dann, wenn diese zwischenzeitlich wieder aus ihrer Position ausgeschieden sind.
Damit kann die Entwicklung des kommunalen Personals über drei Wahlperioden (1990-1994, 1994-1999/2000, 1999/2000-2004/2006) hinweg analysiert werden. Bei Personen, die im Laufe ihres kommunalpolitischen Wirkens mehrere der hier interessierenden Ämter und Mandate inne gehabt haben, wurde die Identifikation des kommunalen Führungspersonals über die jeweilige Letztposition vorgenommen. Eine Vollerhebung sämtlicher Ratsmitglieder, (Ober-)Bürgermeister und Beigeordnete in allen 1.053 Städten und Gemeinden Thüringens (Gebietsstand 30. Juni 1998) hätte den Rahmen der vorliegenden Studie gesprengt, deshalb wurde eine Stichprobe erforderlich, die einen repräsentativen Rückschluss auf die Thüringer Kommunen ermöglicht.
Da in Thüringen nach wie vor zahlreiche Städte und Gemeinden mit geringer Einwohnerzahl existieren und darüber hinaus die regionale Konzentration der Kommunen sehr unterschiedlich ausfällt, wurde die Grundgesamtheit der Kommunen vor der Stichprobenziehung in insgesamt sechs Gemeindegrößenklassen5 und die vier Planungsregionen6 eingeteilt (Tabelle 9). Im Anschluss wurde aus jeder Gemeindegrößenklasse eine vorher festgelegte Anzahl an Kommunen per Zufallsauswahl ausgewählt, wobei auf eine proportionale Repräsentation der Planungsregionen geachtet wurde. Die Festlegung, wie viele Kommunen pro Größenklasse für die Befragung der kommunalen Mandatsträger auszuwählen waren, erfolgte nach einem festen Schlüssel, der
Vorwort
6
Inhalt
8
Abbildungsverzeichnis
11
Tabellenverzeichnis
14
1 Einleitung
17
2 Die Entwicklung der Kommunen seit 1990
32
2.1 Aufgaben und Strukturen
32
2.2 Siedlungsstruktur und Gebietsreform
36
2.3 Politische Kräfteverhältnisse
40
3 Datenbasis
46
3.1 Befragung kommunaler Mandatsträger
46
3.2 Bürgerbefragung
52
3.3 Gewichtung
54
4 Ratsmitglieder, Bürgermeister, Beigeordnete: Rekrutierung und Einstellungen
56
4.1 Altpersonal , Neupersonal und der Import von Personal aus Westdeutschland
56
4.2 Sozialstruktur
72
4.3 Parteipolitische Bindungen
90
4.4 Gesellschaftliche Vernetzung
110
4.5 Politische Sozialisation, Motivationen und kommunalpolitische Karrieren
121
4.6 Rollenverständnis, Rollenerwartungen und kommunalpolitisches Engagement
157
4.7 Kommunalpolitische Einstellungen
177
4.8 Einstellungen zur Demokratie
194
5 Zusammenfassung
208
Literaturverzeichnis
219
Tabellenanhang
233