: Heinrich Schwarz
: Der Mensch in der Gesellschaft
: DUV Deutscher Universitäts-Verlag
: 9783835055292
: 1
: CHF 37.50
:
: Soziologie
: German
: 227
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Heinrich Schwarz erarbeitet eine neue Definition des menschlichen Bewusstseins, die aus individuellen Vorstellungsfeldern entsteht, die situationsbedingten Wandlungen unterworfen sind. Diese Wandlungen sind durch die Gesetze der psychischen Gravitation bedingt. Begriffe wie Ratio und Unterbewusstsein löst er durch die psychischen Feldgesetze ab, welche Entscheidungen, Handlungen und zwischenmenschlichen Beziehungen des Menschen bestimmen.

Heinrich Schwarz war selbstständig im Bereich Marketing tätig und entwickelte das System PAV (Prozess Analyse Verbraucherwahl).
1. Soziologie ohne einheitlichen Theoriekern (S. 1)

Die Soziologie ist von ihrem Beginn an einem tragischen Irrtum unterlegen, der nicht in ihr selbst begründet ist. Um auf methodische Weise soziale Probleme in den menschlichen Beziehungen zu erklären, sind Interpretationen erforderlich. Dafür stehen von Seiten der Soziologie verschiedene theoretische Betrachtungsweisen zur Verfügung. Diese sind allesamt getragen von dem Menschenbild, das über Jahrhunderte von der abendländischen Philosophie geprägt wurde: dem Menschen als Individuum, das, wie man lange Zeit glaubte, von seinem Verstand bestimmt ist. Und erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit erscheint der Mensch irrational zu handeln.

Es hat seine Wirkung bis heute, wenn zweitausend Jahre mit der Frage verbracht wurden, ob der menschliche Verstand die sinnlich erfahrene Welt formt bzw. diese durch innewohnende Ideen (Allgemeinbegriffe) begreift. Für das derart fixierte Individuum sind dann bestimmte Umfeldeinflüsse auf dessen Sitte und Moral nicht unterzubringen. Da die Theorie der Aggregation von einzelnen Psychen aus oben genannten Grund nicht befriedigte, wurde soziales Verhalten Wesenheiten übertragen, die außerhalb des Individuums liegen.

Oder man versucht, ausgehend vom subjektiven Verhalten die Makrobeobachtung zu erklären. Wobei in letzteren Fall die zunehmende Bedeutung des Unbewussten für das menschliche Handeln im Wege steht. Um der Interpretation sozialer Beziehungen einen gemeinsamen Theoriekern anzubieten, ist es in einem ersten Schritt erforderlich, den menschlichen Verstand, die Ratio, das, was man konventionell unter Bewusstsein versteht, zu untersuchen.

Gelingt es, ein völlig neues Verständnis des menschlichen Bewusstseins und schließlich auch des Irrationalen zu erhalten, so wäre das menschliche Handeln in seinen sozialen Beziehungen neu zu formulieren. Das würde auch beinhalten müssen, die menschliche Entscheidung an sich neu zu definieren und sie in Bezug auf das zwischenmenschliche Verhalten zu erklären.

1.1. Die Trennung von Individuum und Zwischenmenschlichem in der verstehenden Soziologie

Hartmut Esser nennt hierzu insbesondere zwei Vorschläge, „ ... die für die Abgrenzung eines spezifisch soziologischen Gegenstandes auf Resonanz gestoßen sind: die von Émile Durkheim (1838 - 1917) so genannten ‚soziologischen Tatbestände’ einerseits. Und die von Vilfredo Pareto (1848 - 1923) als ‚nichtlogische Handlungen’ andererseits."1 Esser bezieht als dritten Aspekt die ‚unintendierten Folgen absichtsvoller Handlungen’ nach Robert M. Merton mit ein.

1.1.1. Durkheims ‚soziologische Tatbestände’

„Ein soziologischer Tatbestand war für Durkheim jede ‚soziale Erscheinung’, die sich von den individuellen Handlungen, Bestrebungen und Manifestationen verselbständigt habe. Beispiele wären die Sitten, die Bräuche und Normen einer Gesellschaft, das Recht und die Moral, die Arbeitsteilung, die Strukturen sozialer Ungleichheit und Machtverteilung, die Kultur und die Sprache - kurz: alle Institutionen, die ‚unabhängig’ von konkreten Individuen bestehen und auf die sie bildenden Personen eine ‚zwingende Macht’ ausüben und so eine von den Individuen losgelöste Realität darstellen - eine Realität, ‚die einen eigenen Charakter hat’."

„Die Basis der Stabilität jener Realität ‚sui generis’ könne, - so Durkheim - nur in der ‚Gesellschaft’ in keiner Weise etwa in den einzelnen ‚Psychen’ (wie Durkheim sagt), im Bewusstsein, den Überzeugungen, Vorlieben oder Gefühlen der Menschen verankert sein".

„Ihre Grundlagen fänden die soziologischen Tatbestände nur in der strukturellen Anordnung der Mitglieder einer Gesellschaft und in der Wirksamkeit sozialer Kontrollen: ‚Der erste Ursprung eines jeden sozialen Vorgangs von einiger Bedeutung muss in der Konstitution des inneren sozialen Milieus gesucht werden.’
Vorwort6
Inhaltsverzeichnis8
Abkürzungsverzeichnis12
1. Soziologie ohne einheitlichen Theoriekern13
1.1. Die Trennung von Individuum und Zwischenmenschlichem in der verstehenden Soziologie14
1.1.1. Durkheims ‚soziologische Tatbestände’14
1.1.2. Nicht - logische Handlungen15
1.1.3. Die unintendierten Folgen des absichtsvollen Handelns16
1.2. Der erweiterte Rational-Choice-Ansatz in der erklärenden Soziologie17
2. Ansatz eines einheitlichen Theoriekerns21
2.1. Der menschliche Verstand in der abendländischen Philosophie, ein Problem für die Soziologie21
2.2 Das neue menschliche Bewusstsein32
2.2.1. Die Dimensionierung der Vorstellungen39
2.2.2. Die Masse innerer Räume79
2.2.3 Die psychischen Gravitationsfelder 127
2.2.4. Psychische G-Felder des Individuums bestimmen das Zwischenmenschliche183
3. Die Trennung von Psychologie und Soziologie kann nicht weiter angenommen werden199
3.1. Durkheims soziologische Tatbestände und die psychischen G-Felder200
3.2. Max Webers Kernforderung und die Systeme von Parson und Luhmann202
3.3. Soziale Interaktion204
3.3.1. Die Definition der Situation204
3.3.2. Symbolischer Interaktionismus206
3.3.3. Der dramaturgische Ansatz208
3.3.4. Ethnomethodologie209
3.4. Die menschliche Entscheidung in der erklärenden Soziologie211
3.4.1. Die Entscheidung im neuen menschlichen Bewusstsein215
3.5. Personale Netzwerke und Sozialstruktur224
3.5.1. Die Sozialisation nach Cooley, Mead, Piaget und Freud227
3.5.2. Die Familie als Startrampe229
3.6. Fazit231
Literaturverzeichnis235