Lernen mit Alltagsphantasien Zur expliziten Reflexion impliziter Vorstellungen im Biologieunterricht
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Barbara Born
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Lernen mit Alltagsphantasien Zur expliziten Reflexion impliziter Vorstellungen im Biologieunterricht
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VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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9783531907048
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1
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CHF 38.20
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Pädagogik
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German
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344
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Barbara Born untersucht, ob und in welcher Hinsicht Alltagsphantasien als eine besondere Form von Alltagsvorstellungen fachliches Lernen beeinflussen und wie deren explizite Reflexion sinnvoll in fachliches Lernen einzubinden ist. Die Einbeziehung dieser personennahen und fachinhaltsübergreifenden Vorstellungen bei der didaktischen Strukturierung von Unterrichtsprozessen trägt der Tatsache Rechnung, dass Lernprozesse nicht allein durch fachliche Vorstellungen bestimmt werden. Auch solche, die über die fachliche Ebene hinausgehen, nehmen auf das Unterrichts- und Lerngeschehen Einfluss. Am Beispiel einer Interventionsstudie zur Gentechnik prüft die Autorin, wie die explizite Reflexion und Berücksichtigung impliziter Vorstellungen bzw. Alltagsphantasien für die fachdidaktische Diskussion fruchtbar gemacht werden kann.
Barbara Born war Promotionsstipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs 'Bildungsgangforschung' an der Universität Hamburg und ist Studienrätin mit den Fächern Biologie und Philosophie an einem Hamburger Gymnasium.
9 Zusammenfassende Diskussion und Ertrag der Untersuchung
(S. 233-234)
Innerhalb der folgenden Ausführungen sollen neben den gewonnenen Ergebnissen auch die theoretischen Überlegungen sowie das empirische Vorgehen der vorliegenden Untersuchung kritisch diskutiert werden. Zu diesem Zweck wird nicht nur ein kritischer Rückblick auf den theoretischen Rahmen der Studie geworfen, sondern auch das experimentelle Design unter Bezugnahme auf die erzielten Untersuchungsergebnisse ausführlich reflektiert.
9.1 Reflexion des theoretischen Rahmens
Für den theoretischen Rahmen der vorliegenden Arbeit waren insgesamt drei Forschungsansätze von besonderer Relevanz: Neben der Bildungsgangforschung standen hierbei vor allem die in den Naturwissenschaftsdidaktiken vorherrschenden Konzepte der Alltagsvorstellungen sowie der auf GEBHARD (1999a) zurückgehende Alltagsphantasie-Ansatz im Vordergrund. Im Folgenden soll rückblickend geklärt werden, inwieweit die skizzierten theoretischen Ansätze für die Konzeption der vorliegenden Arbeit von Bedeutung gewesen sind. Der bildungsgangtheoretischen Perspektive folgend wurden im Rahmen der vorliegenden Arbeit mit der expliziten Reflexion und Berücksichtigung von Alltagsphantasien im Unterricht subjektive Ausgangsvoraussetzungen zum Angelpunkt sowohl der didaktischen Theorie als auch der empirischen Forschung gemacht.
Es galt zu untersuchen, wie Jugendliche der Sekundarstufe II in einem Biologieunterricht, der die durch ein Unterrichtsthema bei den Lernenden aktualisierten Alltagsphantasien explizit reflektiert und berücksichtigt, lernen. In diesem Zusammenhang waren jedoch nicht nur die subjektiven Strukturen, sondern insbesondere die Möglichkeit des Brückenschlags zwischen Subjekt und Objekt, zwischen impliziten Vorstellungen und expliziter Reflexion von Interesse (vgl. BORN/GEBHARD 2005). Dementsprechend wurden Lernangebote nicht allein auf der Grundlage der fachlichen Perspektive entwickelt, sondern die Lernerperspektive gleichermaßen in die didaktische Strukturierung miteinbezogen. Diese Ausbalancierung von Schülerorientierung und Sachorien tierung betont, dem theoretischen Ansatz entsprechend, die Perspektive der Lernenden. Es galt, die Schülerinnen und Schüler als Gestalter ihrer eigenen Bildungsgänge ernstzunehmen. Der Lehrperson fiel dabei eine vermittelnde Rolle zu.
Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, Lernsituationen zu inszenieren, in denen ein aktiver Aufbau von Wissen für die Lernenden nötig und möglich wurde. Mit der Konzentration auf den Gang der Bildung standen bei der Ausgestaltung der Lernangebote die Vorstellungen und Phantasien der Schülerinnen und Schüler, die sich als subjektive Interpretationen unter Rückgriff auf biografisches Material aus der individuellen Lerngeschichte an die dargebotenen Lernangebote hefteten, im Mittelpunkt des Interesses. Zu diesem Zweck wurden in der Voruntersuchung anhand von Gruppendiskussionen die individuellen Vorstellungen der Jugendlichen ermittelt.
Gleichzeitig konnten Ergebnisse zur Beantwortung der Forschungsfrage nach den durch das Unterrichtsthema Gentechnik bei den Schülerinnen und Schülern aktualisierten Alltagsphantasien gesammelt werden. Diese sich in Gestalt der Alltagsphantasien präsentierenden subjektiven Bedeutungen der Lerngegenstände zu bedenken, gehört vor dem Kontext der vorliegenden Arbeit zu den zentralen Aufgaben der Bildungsgangforschung, da die persönlichkeits- und identitätsbildende Funktion interessierten und motivierten Lernens damit in den Blick gerät (vgl. GEBHARD 1999b).
Danksagung
7
Inhalt
8
Abkürzungsverzeichnis
14
Einleitung
16
1 Problemhorizont
20
2 Forschungsfragen
34
3 Theoretischer Rahmen der Untersuchung
36
4 Anlage der Untersuchung
98
5 Methodischer Rahmen der Untersuchung
102
6 Ergebnisse zur Ausgangslage der Schülergruppen
146
7 Die Unterrichtseinheit zur Gentechnik
181
8 Ergebnisse zur Auswirkung der expliziten Reflexion von Alltagsphantasien im Unterricht
200
9 Zusammenfassende Diskussion und Ertrag der Untersuchung
230
10 Forschungsausblick
246
Literaturverzeichnis
249
I Anhang zu Kapitel 5
261
II Anhang zu Kapitel 6
281
III Anhang zu Kapitel 7
310
IV Anhang zu Kapitel 8
343