: Karin Zimmermann, Marion Kamphans, Sigrid Metz-Göckel
: Karin Zimmermann, Marion Kamphans, Sigrid Metz-Göckel
: Perspektiven der Hochschulforschung
: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
: 9783531908274
: 1
: CHF 34.30
:
: Bildungswesen
: German
: 359
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Ziel dieses Bandes ist es, die Hochschulforschung und die Frauen- und Geschlechterforschung zur Hochschule stärker aufeinander zu beziehen. Dem Plädoyer der Herausgeberinnen für die Entwicklung integrativer Perspektiven folgen 20 Einzelbeiträge, die das Spektrum der aktuell brisanten Themen der Hochschulforschung abstecken und im Einzelnen Anknüpfungspunkte aufzeigen. Die in den vergangenen ca. 30 Jahren getrennten Wege der Hochschul- und der Frauen- und Geschlechterforschung werden nachgezeichnet, hochschulische Binnenverhältnisse und Alltagspraxen ebenso wie Aspekte der Europäisierung und Internationalisierung der deutschen Hochschulen beleuchtet und empirisch, theoretisch sowie hochschulpolitisch reflektiert. Insgesamt erscheint die kritische Auseinandersetzung mit der je eigenen Geschichte und alltäglichen Praxis als eine der wichtigsten Voraussetzungen, um integrative Forschungs- und Entwicklungsperspektiven umzusetzen.

Dr. phil. Karin Zimmermann ist Sozialwissenschaftlerin und wissenschaftliche Angestellte am Hochschuldidaktischen Zentrum der Universität Dortmund.
Marion Kamphans ist Sozialwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hochschuldidaktischen Zentrum der Universität Dortmund.
Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, em., ist Hochschul- und Geschlechterforscherin und war bis 2005 Leiterin des Hochschuldidaktischen Zentrums der Universität Dortmund.
Hochschul- und Geschlechterforschung im Diskurs (S. 11)

Karin Zimmermann, Sigrid Metz-Göckel und Marion Kamphans

Den intellektuellen Spannungen, von denen das Symposion und der vorliegende Band ihren Ausgang nehmen, liegt eine geringe (gegenseitige) Zurkenntnisnahme von Hochschulforschung und Frauen- und Geschlechterforschung zu Grunde. Diese wechselseitige Distanzierung ist nach mehr als 20 Jahren Hochschul- und Frauen- und Geschlechterforschung kaum mehr als produktiv anzusehen, zumal sich die Verhältnisse stark verändert haben, für die Hochschulen und die Frauen.

Frauen sind inzwischen Teil der Hochschule und Wissenschaft geworden und thematisieren als relativ spät hinzugekommene Akteurinnen nun aus ihrer Sicht die Hochschule und Wissenschaft. Und auch die Hochschulen waren und sind dabei zu lernen, mit Frauen als wissenschaftlichen Subjekten umzugehen und sich mit der Frauen- und Geschlechterforschung auseinanderzusetzen.

Daraus resultierende Irritationen gibt es wohl auf beiden Seiten.

Denn einerseits geht es in der Frauen- und Geschlechterforschung darum, eine Geschlechterdimension auch im Kontext von Hochschule und Hochschulforschung bewusst zu machen, indem Geschlecht mit anderen differenz- und hierarchiekonstituierenden Faktoren zusammengedacht und aufgezeigt wird, wie Geschlecht in die Strukturen und Verhältnisse von Hochschule und Wissenschaft eingelagert ist.

Letzteres ist bisher eine Domäne der Frauen- und Geschlechterforschung gewesen. Hieraus resultiert ein wissenschaftliches Geschlechterwissen, das sich vom alltagsweltlichen Wissen über Frauen und Männer weit entfernt hat.

Andererseits sind das Alltagsund Erfahrungswissen mit dem wissenschaftlichen Wissen über Hochschulen und die Prozesse in Hochschulen gerade in der Hochschulforschung eng miteinander verquickt, weil HochschulforscherInnen zugleich HochschulakteurInnen z.B. als GutachterInnen, Beiratsmitglieder sind.

Daher habe die Hochschulforschung eine „kontext-bewußte Wissenschaft zu sein, die sich in besonders intensivem Maß Meta- Fragen zur eigenen Forschung zu stellen hat (Teichler 1994: 170). Hochschulforschung generiert wissenschaftliches Wissen über die Hochschule, welches das Alltags- und Erfahrungswissen der HochschulakteurInnen transzen- diert. Insoweit besteht zwischen Hochschulforschung und Frauen- und Geschlechterforschung Konsens.

Auch die Frauen- und Geschlechterforschung generiert wissenschaftliches Wissen zur Kategorie Geschlecht, das sie überprüft. Als weitere Gemeinsamkeit schließt sich an, dass in beiden Forschungsfeldern disziplinübergreifend gearbeitet wird. So befasst sich Hochschulforschung mit dem „Nicht-Eigentlichen (Teichler 1994: 170), das heißt unter anderem mit dem „Stellenwert von individuellen Handlungsplänen und Werten, den Lebens- und Arbeitsbedingungen, den organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen oder den Entscheidungen über die Ressourcen einer Disziplin (ebd.).

Die Frauen- und Geschlechterforschung fragt hier weitergehend, wie darin die geschlechtliche Arbeitsteilung, Geschlechter differenzierende Mechanismen und Traditionen eingeschrieben werden. Da sich die beiden Forschungsgebiete jeweils gegenstandsbezogen konstituiert haben, ohne eine je eigene Disziplin zu bilden, werden die Forschungsinteressen in beiden durch unterschiedliche fachdisziplinäre (sozialwissenschaftliche, organisationssoziologische, betriebswirtschaftliche, ökonomische, psychologische oder hochschuldidaktische) Perspektiven angeleitet.

Während z.B. in der sozialwissenschaftlichen Hochschulforschung die Hochschule als Organisation mit ihren Mitgliedern und in ihren mehrfachen Funktionen interessiert, fokussiert die Frauenund Geschlechterforschung die Hochschule als eine vergeschlechtlichte Organisation (gendered organization) und die ungleiche Partizipation von Frauen und Männern und wie Geschlechterverhältnisse in die mehrfache Funktionalität der Hochschulen als Ausbildungs- und Forschungsinstitution hineinwirken. An diesen Stellen bewegen sich Frauen- und Geschlechterforschung und Hochschulforschung im Dissens.
Inhaltsverzeichnis5
Vorwort9
Hochschul- und Geschlechterforschung im Diskurs11
Hochschulforschung und Frauen- und Geschlechterforschung – Stationen ihrer Entwicklung14
Die Hochschule als Institution, Akteur und soziales Feld mit asymmetrischer Geschlechterkultur – Theoretische Zugänge17
Hochschulalltag in Bewegung und Beharrung – Empirie und Praxis21
Hochschul- und Geschlechterpolitik – Zum Wandel von Geschlechterverhältnissen in der Hochschule und darüber hinaus25
Perspektiven oder was Geschlechter- und Hochschulforschung voneinander lernen können28
Literatur31
Hochschulforschung und Frauenund Geschlechterforschung – Stationen ihrer Entwicklung35
Hochschulforschung und Frauen- und Geschlechterforschung – zwei Welten begegnen sich?37
1 Gegenstandsbestimmung37
2 Zur Konstituierung der Forschungsfelder Hochschule und Geschlecht38
3 Stationen der hochschulzentrierten Frauen- und Geschlechterforschung47
4 Hochschulforschung und Geschlechterforschung im Verhältnis zueinander56
Literatur58
Hochschulforschung international65
Einleitung65
Themengebiete und beteiligte Disziplinen66
Die institutionelle Situation der Forschung70
Streubreite der institutionellen Basis73
Beziehungen von Hochschulforschung, Hochschulpolitik und Hochschulpraxis74
Nationale und internationale Bezüge der Hochschulforschung80
Zunehmende Internationalisierung und Europäisierung der Forschung81
Abschließende Überlegungen zur Hochschulforschung83
Literatur84
Innerinstitutionelle Hochschulforschung – Balanceakt zwischen nutzenorientierter Forschung und reflektierter Praxis87
Erfahrungen in den USA: von der Dokumentation zur Steuerung mit Institutional Research87
Das Forschungsspektrum von Institutional Research89
Perspektiverweiterung von Akteursgruppen93
Literatur95
Hochschulen im Wandel – Perspektiven für eine interdisziplinäre Hochschulforschung97
1. Zur Funktionalität organisationaler Entscheidungsstrukturen in Zeiten hohen Reformdrucks98
2. Zur Funktionalität individueller Entscheidungsprozesse bei der Verfolgung multipler Ziele101
3. Fazit109
Literatur110
Die Hochschule als Institution, Akteur und soziales Feld mit asymmetrischer Geschlechterkultur – Theoretische Zugänge113
Spielräume für eine reflexive Hochschulforschung115
Vom Umgang mit Reflexivität in der Hochschulforschung116
Forschungsdesiderate aktueller Hochschulforschung119
Wissenschaftliche Reflexivität à la Bourdieu122
Teilnehmende Objektivierung als soziale Praxis einer reflexiven Hochschulforschung127
Literatur130
Eine Frage der Gauß’schen Normalverteilung: Zur sozialen Praxis der Nachwuchsförderung an Universitäten133
Leistung und Anerkennung134
Leistungsindikatoren und Darstellung von Leistung135
Bestenauslese137
Ver- und Erkennungseffekte139
Literatur141
De-Institutionalisierung und gendered subtexts. ‚ Asymmetrische Geschlechterkultur an der Hochschule‘ revisited143
1. „Herrschaft“ und „Diskriminierung“ – Out of time?143
2. De-Institutionalisierung oder „gendered subtext“?145
3. Diskursive Verschiebungen, De- und Re-Thematisierungen150
4. Feminismus als allround-Projektionsfolie151
5. De-Thematisierung als „neue“ Asymmetrie?153
Literatur154
Hochschule als Institution: Gussform, Arena und Akteur157
1. Gussform157
2. Arena158
3. Akteur160
Fazit162
Literatur163
Zwischen gesellschaftlichem Diskurs und organisationalen Praktiken: Theoretische Überlegungen und empirische Befunde zur Wettbewerbskonstitution im Hochschulbereich165
1. Einleitung165
2. Hochschulen im Wettbewerb: Das Beispiel der Einführung von Bachelor- und Master- Studiengängen166
3. Diskussion172
Literatur174
Hochschulalltag in Bewegung und Beharrung – Empirie und Praxis177
Hierarchie, Fachkompetenz und Geschlecht in Lehrveranstaltungen: Ergebnisse einer ethnographischen Teilnehmenden Beobachtung179
Der methodische Zugang zum Forschungsfeld181
Das untersuchte Forschungsfeld182
Die hierarchische P