Charisma ist keine Lampe Wie Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte auf uns wirken und warum
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Dieter Herbst
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Charisma ist keine Lampe Wie Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte auf uns wirken und warum
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Gabler Verlag
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9783834996565
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1
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CHF 23.90
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Allgemeines, Lexika
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German
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158
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Untermauert mit neuesten Erkenntnissen aus der Hirnforschung erläutert das Buch, wie wir Menschen wahrnehmen und welche Prozesse dabei in unserem Gehirn ablaufen. Es zeigt, welche Rolle Emotionen und das Unterbewusste spielen und wie Vorstellungsbilder entstehen. Denn verstellen ist auf die Dauer keine Erfolgsstrategie, nur wer als Mensch authentisch wirkt, vermag andere zu überzeugen und für sich einzunehmen.
Prof. Dr. Dieter Herbst ist Honorarprofessor für Strategisches Kommunikationsmanagement der Universität der Künste Berlin. Honorarprofessor an der Lettischen Kulturakademie Riga (Letland), Hauptdozent für Kommunikationsmanagement im Studiengang 'Executive MBA in Business Engineering' der Universität St. Gallen (Schweiz).
4. Bewertungsanker für das Gehirn
(S. 67-68)
Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder hat seine Eltern, seine Erziehung, seine Ausbildung, seinen Beruf und seine Privatinteressen, er verfügt über einzigartige Erfahrungen, die auf einzigartige Weise mit Emotionen gekoppelt sind. Kein Mensch gleicht dem anderen. Selbst Zwillinge unterscheiden sich. Darf ich Ihnen etwas verraten? Für unser Gehirn und die Wirkung von Menschen im Arbeitsleben auf uns spielt dies erst einmal keine Rolle. Wir sind so angelegt, dass wir andere Menschen blitzschnell beurteilen – wenn auch nur grob. Wie könnte dies auch anders sein: Wir wären hoffnungslos überfordert, wenn wir alle Menschen, denen wir im Lauf eines Tages oder gar eines Jahres begegnen, gründlich und differenziert bewerten.
Wie erstaunlich unser Gehirn beim schnellen Bewerten arbeitet, zeigt das Experiment der Psychologin Nalini Ambady von der Universität Harvard: Sie spielte Studierenden drei Videoclips eines Professors ohne Ton vor. In nur 10 Sekunden konnten diese Studierenden über den Professor urteilen. Als Ambady die Clips auf fünf Sekunden kürzte, blieben die Ergebnisse dieselben. Zwei Sekunden – und wieder fast das gleiche Ergebnis.
Damit nicht genug: Ambady verglich das Urteil der Testpersonen über die Clips mit jenen Bewertungen, die die Studierenden des Professors am Ende des Semesters ausgefüllt hatten. Sie ahnen es: Die Bewertungen stimmten auch hier fast überein. Das bedeutet, dass eine Person, die nur zwei Sekunden lang das Video einer anderen Person gesehen hat, diese genau so bewertet wie Menschen, die diese Person über einen viel längeren Zeitraum kennen lernten. Beim Erkennen, Einordnen und Bewerten orientieren wir uns an Schlüsselinformationen der Person. Von diesen einzelnen, zentralen Reizen und Eigenschaften schließen wir auf die gesamte Person. Aber wie hat sich unser Gehirn eingerichtet, damit es sich sein Urteil in der Zeit eines Wimpernschlags bilden kann? Welche Informationen helfen uns dabei, eine andere Person im Arbeitsleben zu bewerten: Sein Aussehen? Seine Körperhaltung? Seine Bewegungen? Was liefert uns die Informationen, die wir hierfür brauchen? Die äußere Erscheinung ist die erste Informationsquelle in der Begegnung mit einem neuen Menschen.
Zu den Körpermerkmalen zählen Körperbau und Hautfarbe, Merkmale also, die nur sehr bedingt bis gar nicht änderbar sind. Zu den gestaltbaren Merkmalen des Äußeren gehören Kleidung, Frisur, Schmuck. Wir haben bereits gesehen, dass wir die Zeit eines Augenaufschlags brauchen, um uns den ersten Eindruck zu verschaffen und das Gesicht unseres Gegenübers zu bewerten, dies erfolgt also zunächst sehr oberflächlich. Einer der zentralen Merkmale, die wir für das erste Prüfen und Bewerten heranziehen, ist die Attraktivität der Person.
4.1 Superdimension Attraktivität
Wer attraktiv ist, hat bessere Chancen. Was wir schon immer geahnt haben, hat die Wissenschaft in vielen Studien bestätigt: Bei der Beurteilung anderer Menschen lassen wir uns von kaum etwas so stark leiten wie von deren Attraktivität. Nicht, dass diese uns allein leitet – später spielen für uns weitere Eigenschaften eine Rolle, der Charakter der Person, ihre Persönlichkeit und ihre Intelligenz. Doch am Anfang dominiert das Äußere. Schönheitsforscher Frank Naumann schreibt: „Schönheit fällt sofort auf, ein guter Charakter erst nach längerem Kontakt. Was von beiden setzt sich wohl schneller durch?" Attraktivität hat also zunächst einmal den Vorteil, dass wir sie mit einem Augenblinzeln erkennen und eindeutig bewerten können.
Vorwort
5
Danksagung
9
Inhaltsverzeichnis
10
1. Wir „lernen Menschen“
13
1.1 Menschen ändern unser Gehirn
14
1.2 Muster helfen uns beim Einordnen
18
1.3 Gefühle als Lernturbo
21
1.4 Entscheidungen fallen stark unbewusst
32
1.5 Bewertungen erfolgen stark emotional
38
2. Menschen können uns ins Herz treffen
45
2.1 Bedeutendes fürs Gehirn
46
2.2 Spannungsfelder der Persönlichkeit
53
3. Die erste Begegnung: Urteil im Schnellverfahren
56
3.1 Schritte durch das Tor der Aufmerksamkeit
56
3.2 Der Mensch als Feuer von Neuronen
58
3.3 Das Bild vom Menschen als Baukasten
60
4. Bewertungsanker für das Gehirn
64
4.1 Superdimension Attraktivität
65
4.2 Das Gesicht als Spiegel der Seele
73
4.3 Haut und Haar: Hinweise auf Jugend und Gesundheit
81
4.4 Geruch als Torwächter
82
4.5 Der Körper als Bühne der Gefühle
83
4.6 Codes der Sprache und Stimme
89
4.7 Kleidung und Symbole als Codes
92
4.8 Wir erleben Menschen im Rahmen
93
4.9 Der Mensch als Mosaik aus Reizen
101
5. Perfektion oder Echtheit: Schluss mit dem Theater
103
6. Menschen im Arbeitsleben auf Bildern
107
7. Beziehungen zu Menschen im Arbeitsleben
124
7.1 Überleben durch gelungene Beziehungen
124
7.2 Transaktionen in der Analyse
127
7.3 Nervenzellen fühlen andere Menschen
132
7.4 Bindungen an ähnliche Menschen
139
8. Wirkung von Menschen: Präsenz und innere Bilder
142
8.1 Menschen sind in unserem Gehirn präsent
142
8.2 Menschen als Vorstellungsbilder in unserem Gehirn
144
9. Fazit: Was tun mit den Erkenntnissen?
154
10. Service
158
10.1 Internet
158
Buchtipps
162