Organisationsberatung Heimliche Bilder und ihre praktischen Konsequenzen
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Werner R. Müller, Erik Nagel, Michael Zirkler
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Organisationsberatung Heimliche Bilder und ihre praktischen Konsequenzen
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Gabler Verlag
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9783834991829
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1
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CHF 31.90
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Management
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German
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232
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Klienten und Berater haben unterschiedliche Bilder und Vorstellungen über Beratungsprozesse. Diese unausgesprochenen Bilder sind handlungsleitend und damit von zentraler Bedeutung für die Arbeitsbeziehung und die Erfolgschancen in der Beratung. Aufgrund ihrer empirischen Forschung ermitteln die Autoren drei typische Bilder und die damit verbundenen Spiele in der Beratungspraxis und geben konkrete Empfehlungen, wie Praktiker ihre eigenen Bilder erkunden und damit ihre Beratungspraxis überprüfen und neu ausrichten können.
Prof. Dr. Werner R. Müller lehrt Management mit dem Schwerpunkt Organisation, Führung und Personalmanagement an der Universität Basel.
Prof. Dr. Erik Nagel ist Dozent an der Hochschule für Wirtschaft Luzern sowie stellvertretender Institutsleiter und Forschungskoordinator des Instituts für Betriebs- und Regionalökonomie.
Prof. Dr. Michael Zirkler ist Assistenzprofessor am Lehrstuhl für Organisation, Führung und Personal der Universität Basel.
Kapitel 4 Beratungswelten gestalten
(S. 186-188)
4.1 Vielfalt in der Gemeinsamkeit
 ,
„Beratung ist das, was der Berater tut" – so könnte eine alltagssprachliche Definition von Beratung lauten, die aber sofort weitere Fragen zur genauen Tätigkeit des Beraters herausfordern würde. Wir gehen hier jedoch von einer ganz anderen Perspektive aus. Danach findet Beratung nicht nur beim Berater statt. Sie ist vielmehr ein Beziehungsgeschäft, das sich zwischen einem Ratgeber und einem Ratsuchenden oder -- im Zusammenhang der Organisationsberatung -- zwischen einem Organisationsberater und einem Kunden abspielt. Beide Teile sind erforderlich, damit ‚Beratung’ stattfinden kann, und beide Teile nehmen massgeblich Einfluss darauf, was Beratung letztlich ‚ist’.
Beratung wird in der Beziehung zwischen Menschen real, die ihre Interaktion aufgrund ihrer Vorverständnisse als solche definieren. Beide Seiten verfügen über weitgehend selbstverständliche Vorstellungen darüber, was man typischerweise unter ‚guter’ und ‚erfolgreicher’ Beratung zu verstehen hat. Diese impliziten Verständnisse beinhalten ihre Vorstellungen darüber,
- was Beratung bedeutet, worum es dabei geht,
- was den Berater zu seiner Tätigkeit legitimiert,
- wie oder was Organisationen sind,
- wer und wie die Kunden bzw. die Berater sind,
- wie man mit Kunden bzw. mit Beratern umgehen muss,
- wie Beratung funktioniert,
- was Beratungserfolg bedeutet.
Die Verständnisse der Beteiligten sind sich soweit ähnlich, dass diese sich gegenseitig verstehen, wenn sie von ‚Beratung’ sprechen. Sie sind in der Lage, bestimmte Verhaltensweisen typischerweise vom jeweils anderen zu erwarten und sein Verhalten korrekt zu interpretieren. Die Verständnisse von Beratung sind aber nicht nur ähnlich, sondern gleichzeitig immer auch verschieden. Das kollektive Verständnis wird aufgrund von spezifischen Erfahrungen in ähnlichen Kontexten und damit über die unterschiedliche Sozialisationsgeschichte individuell variiert. Jeder Akteur tritt mit seinen individuellen Bildern und spezifischen Erwartungen und Anliegen in die Beratungssituation ein und handelt aufgrund dieser Vorstellungen.
Die vielschichtige Welt der Organisationsberatung, so wie sie im vorherigen Kapitel zum Ausdruck kommt, zeigt deutlich auf, dass die jeweiligen Verständnisse in konkreten Beratungssituationen nicht immer und manchmal auch nur phasenweise anschlussfähig sind. Damit treffen in der Beziehung zwischen Berater und Klient Verständnisse aufeinander, die unerwartete Prozesse auslösen können. Missverständnisse und unbeabsichtigte Wirkungen treten auf. Solche Erfahrungen sind unerwartet, da sie sich vor dem Hintergrund wenig bedachter Selbstverständlichkeiten abspielen, denen von der einen oder anderen Seite nicht entsprochen wird.
Denn – und dies mag paradox klingen – die Beratungspraxis wird zwar aktiv von den am Beratungsprozess Beteiligten gestaltet, dennoch vollziehen sich die Handlungen der Klienten und Berater nicht unbedingt in der „Helle des Bewusstseins" (Neuberger 1995:298) oder -- wie Marx es nennt – die Beteiligten agieren „bewusstlos" (Schmied-Kowarzik 1999:112 ff.). Berater und Klienten sind sich der sie steuernden Selbstverständnisse und der hintergründigen Handlungstheorien, Sichtweisen oder Überzeugungen teilweise nicht bewusst.
Sie können sie auch nicht auf Anhieb konkret benennen. Wenn man sie nach der „richtigen Beratung" befragt, stützt sich ihre Antwort oft auf deklarierte Theorien, die aber mit ihren impliziten, tatsächlich handlungsrelevanten Sichtweisen und Annahmen nicht notwendigerweise etwas zu tun haben müssen (vgl. Argyris& Schoen 1975). Was geschieht nun, wenn zwei Personen mit ihren impliziten und möglicherweise unterschiedlichen Verständnissen von Beratung in einer Beratungssituation zusammentreffen?
Geleitwort
5
Vorwort
7
Grundlagen und Perspektiven Kapitel 1
12
Warum Beratung ein Thema ist –
13
Verständnisse von Beratung und Organisation
21
Organisationsberatung
26
Zugang zur Beratungswelt Kapitel 2
55
Beratung als soziale Konstruktion
56
Die Bedeutung von Bildern und Metaphern
63
Die Beratungspraxis erforschen
70
Fazit
78
Beratung zwischen Kommerz, Politik und Emanzipation Kapitel 3
80
Das Beratungsdreieck
81
Beratung als Dienstleistung
85
Beratung als politisches Spiel
125
Beratung als Emanzipation
151
Rückblick und Ausblick
179
Beratungswelten gestalten Kapitel 4
181
Vielfalt in der Gemeinsamkeit
182
Die Beziehungsepisode
184
Das Selbstverständliche an die Oberfläche holen
190
Das Beratungsdreieck als thematisches Koordinatensystem
193
Auf den Spuren des Selbstverständlichen
195
Orte und Momente der Reflexion
221
Schlussbemerkung
225
Literatur
227
Über die Autoren
234