Geschichte »in die Hand genommen«
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Georg Vogeler (Hrsg.)
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Geschichte »in die Hand genommen«
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Herbert Utz Verlag
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9783831605361
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1
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CHF 15.00
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Geschichte
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German
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295
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DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Die »Geschichtlichen Hilfswissenschaften« tragen einen Namen, der sie tief im Elfenbeinturm vermuten lässt. Die Beiträge dieses Bandes belegen das Gegenteil: Die Geschichtlichen Hilfswissenschaften umfassen eine Gruppe von Spezialdisziplinen, die »Geschichte in die Hand nehmen«. Sie untersuchen schriftliche und dingliche Relikte aus der Vergangenheit mit unterschiedlichsten Methoden: Inschriften, Münzen, Urkunden, Bücher, Landkarten. Der Band gibt einen handlichen Einblick in den Alltag hilfswissenschaftlicher Arbeit auf dem neuesten Forschungsstand und zeigt, dass Ergebnisse, Forschungsobjekte und Methoden dieser Disziplin ihren Platz im Geschichtsunterricht haben.
Geld im frühmittelalterlichen Bayern
(S. 195-196)
von
Hubert Emmerig
Seit Jahrzehnten ist die Numismatik ein fester Bestandteil des Lehrangebots am Lehrstuhl für Geschichtliche Hilfswissenschaften an der Münchner Ludwig- Maximilians-Universität. Dies ist umso erfreulicher, als es im deutschen Sprachraum nur ein Universitätsinstitut für Numismatik und Geldgeschichte gibt, das in Wien angesiedelt ist. Das Fach Numismatik ist deshalb in Deutschland auf solche Nischen dringend angewiesen. Kommen doch auf diese Weise viele Studenten historischer Fächer im Laufe ihres Studiums auch mit numismatischen Themen in Berührung, und gelegentlich kommt es sogar vor, dass sich ein Absolvent der Geschichtlichen Hilfswissenschaften hier in München ganz auf die Numismatik verlegt.
Das Thema
Fragestellungen, Quellen und Arbeitsweise der Numismatik sollen hier anhand der Frage aufgezeigt werden, welches Geld im frühmittelalterlichen Bayern zur Verfügung stand und welche Rolle es in der damaligen Gesellschaft spielte. Wir stellen hier nach einem kurzen Abstecken des behandelten Zeitraums zunächst die wichtigsten Fragestellungen oder Zielrichtungen numismatischer Forschung vor. Ein weiterer Blick gilt dann den Quellengattungen, welche das Fach im Hinblick auf seine Fragen heranzieht. Nach diesen allgemeinen Grundlagen kommen wir dann zum Thema selbst, indem wir diese Quellen danach befragen, was sie zum Thema beizutragen vermögen.
Der Zeitraum, den wir hier betrachten, erstreckt sich von der Völkerwanderungszeit bis ins 10. Jahrhundert, also etwa bis zum Ende der Karolingerzeit in Bayern. Nachdem die römischen Truppen aus dem bayerischen Raum wohl im frühen 5. Jahrhundert abgezogen worden waren, formierte sich um die Mitte des 6. Jahrhunderts ein erstes bayerisches Herzogtum unter der Herrschaft der Familie der Agilolfinger. Ihre Herkunft ist bisher nicht geklärt, Verbindungen sieht man aber etwa zu den Langobarden in Oberitalien. Der letzte Agilolfinger, Herzog Tassilo III. (748–788), wurde im Jahr 788 von Karl dem Großen (768– 814) abgesetzt, Bayern wurde Teil des Karolingerreiches.
Das Land behielt jedoch eine gewisse Eigenständigkeit: Verwaltet wurde es durch einen Präfekten, später stieg es in den Rang eines Teilregnums, eines Teilkönigreichs, auf, und die Lex Baiuvariorum, das bayerische Rechtsbuch, das zuletzt vielleicht in den 740er Jahren im Kloster Niederaltaich redigiert worden sein dürfte1, behielt ihre Gültigkeit. In der Schlacht von Pressburg gegen die Ungarn im Jahr 907 kam der Markgraf Luitpold um, sein Sohn Arnulf (907–937) konnte sich in der darauffolgenden Zeit in den Rang eines bayerischen Herzogs emporschwingen. Die Familie der Luitpoldinger wurde so die erste Herzogsfamilie in Bayern nach der karolingischen Herrschaft. Der letzte ostfränkische Karolinger, König Ludwig das Kind (900–911), starb im Jahr 911.
Münzgeschichte und Geldgeschichte und ihre Quellen
Die Fragestellungen der Numismatik lassen sich – freilich in starker Verkürzung – auf zwei Begriffe reduzieren: Münzgeschichte und Geldgeschichte. Münzgeschichte ist die Frage nach der Münzproduktion eines Landes, eines Gemeinwesens: welche Münzen wurden hier zu welcher Zeit und in welchen Münzstätten hergestellt, was waren die Umstände dieser Münzproduktion und wie war sie organisiert? Wie verhalten sich die hergestellten Münzen wertmäßig zueinander?
Hier dreht sich also alles um die Herstellung und Ausgabe geprägten Geldes und in der Neuzeit natürlich auch von Papiergeld. Einen Schritt weiter geht die Geldgeschichte: Welches Geld war in einem Territorium in Verwendung, nur einheimisches oder auch ausländisches? Wie verhielten sich umlaufende Münzsorten wertmäßig zueinander? Hier stehen also alle Fragen nach der Verwendung des verfügbaren Geldes im Vordergrund.
Inhalt
8
Einführung
12
Geschichte »in die Hand genommen«. Die Historischen Hilfswissenschaften als Basis historischer Forschung in der Entwicklung der Geschichtswissenschaft
14
Layout und Benutzungskontext. Überlegungen zur Schriftlichkeitspraxis der mittelalterlichen Verwaltung
36
Einleitung
36
Beispiel 1: Besitzgeschichte und Besitzgedächtnis – Das Freisinger Traditionsbuch des Cozroh
45
Beispiel 2: Güterverwaltung und scholastisches Textverständnis – Das Prümer Urbar
50
Beispiel 3: Systematisieren und Aktualisieren – Ein Zinsverzeichnis des Klosters Allerheiligen
55
Fazit: Perspektiven für Hilfswissenschaften als Schriftlichkeitsgeschichte
59
Ausgewählte Literaturhinweise
61
Buchdruck und Buchhandel von Gutenberg bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts1
72
Einführung
72
Methoden der Inkunabel- und Frühdruckforschung
74
Rationalisierung der Handschriftenherstellung im 15. Jahrhundert
75
Buchdruck zwischen 1450 und 1550
76
Buchhandel zwischen 1450 und 1550
79
Süddeutschland und der Sonderfall des Herzogtums Bayern
83
Lesen und Schreiben
86
Anhang
87
Restaurierung an der Bayerischen Staatsbibliothek. Die externe Vergabe von Aufträgen an freiberufliche Restauratoren und andere Aspekte des Berufsfelds Bibliothekar und Restaurator
102
Praktischer Ablauf der Auftragsvergabe am IBR
103
Auswahl der Restaurierungsfälle aus dem Bestand
103
Auswahl für die externe Auftragsvergabe
104
Vorbereitung des externen Restaurierungsauftrags
104
Rückgabe restaurierter Bücher
106
Die Dokumentation von Restaurierungen
107
Qualität von Restaurierung
108
Epigraphische Überlegungen zu bekannten und verkannten Inschriftendenkmälern aus Bayern
118
I
118
II
121
III
124
IV
128
V
129
VI
132
VII
135
Epigraphik und räumliche Mobilität. Das Beispiel italienischer Künstler des Hochmittelalters und ihrer Signaturen.
154
Literatur
174
Einsatz inschriftlicher Quellen im Geschichtsunterricht
182
Literatur
188
Geld im frühmittelalterlichen Bayern
196
Das Thema
196
Münzgeschichte und Geldgeschichte und ihre Quellen
197
Münzprägung im frühmittelalterlichen Bayern
198
Münzfunde des Frühmittelalters aus Bayern
199
Das Freisinger Traditionsbuch als Quelle zur Geldpräsenz
202
1. Pecunia
203
2. Strafandrohungen (Poenformeln)
203
3. Zinszahlungen
205
Zusammenfassung
206
Literatur
207
Digitale Edition von Urkunden
210
Einführung
210
Versprechungen
212
Verwirklichungen
214
Verständigungen
223
Der Beamtenstaat Friedrichs II. Geschichtsbild und Verwaltungsrealität
228
Literatur
241
Formen und protokollarische Inszenierung der internationalen Diplomatie der Frühen Neuzeit im Spiegel ihres Schriftguts
246
Zur Entwicklung des Gesandtschaftswesens
246
Zum Schriftgut der Diplomatie
247
Die protokollarische Inszenierung
250
Literatur
251
Der bürokratische Blick auf die Welt. Vom Augenschein zur Flurkarte
260
I
260
II
263
III
268
IV
269
V
272
VI
273
VII
273
VIII
274
IX
275
Abkürzungen
276
Literatur
276
Weiterführende Literatur
290
Allgemeine schriftkundliche Hilfsmittel
290
Literatur zur Epigraphik
290
Literatur zur Realienkunde
292
Literatur zur Sphragistik
292
Literatur zur Diplomatik
292
Literatur zur Chronologie
293
Literatur zur Heraldik
293
Literatur zur Schriftlichkeit
294
Literatur zur Numismatik
295
Literatur zur Kartographie
295